
Ein 1,5 geschossiges Haus vereint kompakte Grundfläche mit viel Wohnraum unter dem Dach. In diesem Ratgeber erfahren Sie, was die Bauweise auszeichnet, welche Kosten auf Sie zukommen und worauf Sie bei Kniestock, Bebauungsplan und Grundriss achten sollten.

Ein 1,5-geschossiges Haus besitzt ein Vollgeschoss im Erdgeschoss und ein ausgebautes Dachgeschoss, das baurechtlich kein Vollgeschoss ist.
Die Kniestockhöhe liegt je nach Landesbauordnung meist bei maximal 80 bis 160 cm.
Typische Baukosten liegen schlüsselfertig im Schnitt bei 2.700 Euro/qm – je nach Ausstattung und Anbieter.
Diese Bauform ist besonders dann gefragt, wenn der Bebauungsplan nur ein Vollgeschoss erlaubt.
Beliebte Dachformen sind Satteldach und Walmdach. Ein Flachdach ist möglich, aber selten.
Was genau ist ein 1,5-geschossiges Haus?
Ein 1,5-geschossiges Haus besteht aus einem Erdgeschoss (Vollgeschoss) und einem darüber liegenden Dachgeschoss, das aufgrund seiner eingeschränkten Raumhöhe baurechtlich nicht als Vollgeschoss zählt. Der Übergang zwischen Wand und Dach – der sogenannte Kniestock oder Drempel – begrenzt die nutzbare Fläche im Obergeschoss.
Anders als ein reiner Bungalow bietet das 1,5-geschossige Haus deutlich mehr Wohnfläche bei gleicher Grundfläche. Im Vergleich zum zweigeschossigen Haus kommt es mit einer geringeren Gebäudehöhe aus und erfüllt so häufig Vorgaben aus dem Bebauungsplan, die nur ein Vollgeschoss zulassen.
Wann spricht man von 1,5 Geschossen statt von 2 Geschossen?
Die Abgrenzung liegt im Baurecht. Ein Geschoss gilt nur dann als Vollgeschoss, wenn es eine bestimmte Mindesthöhe über eine festgelegte Mindestfläche erreicht. Die genauen Schwellenwerte unterscheiden sich je nach Landesbauordnung. In vielen Bundesländern darf die Fläche mit einer lichten Raumhöhe von mindestens 2,30 m nicht mehr als zwei Drittel bis drei Viertel der Grundfläche des darunter liegenden Vollgeschosses betragen.
Wird dieser Grenzwert im Dachgeschoss nicht überschritten, zählt es als „halbes" Geschoss – und das Gebäude gilt planungsrechtlich als eingeschossig mit Dachausbau.
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Jetzt Bauprojekt startenWelche Rolle spielt der Kniestock beim 1,5 Geschosser?
Der Kniestock (auch Drempel genannt) ist die aufgemauerte Wand zwischen Geschossdecke und dem Punkt, an dem die Dachschräge beginnt. Seine Höhe beeinflusst direkt, wie viel nutzbare Wohnfläche im Dachgeschoss entsteht.
Typische Kniestockhöhen und ihre Auswirkung
| Kniestockhöhe | Auswirkung auf das Dachgeschoss |
|---|---|
| 0–40 cm | Kaum nutzbarer Raum direkt an der Wand, starke Schrägen |
| 50–80 cm | Möblierung mit niedrigen Möbeln möglich, Stauraum an den Seiten |
| 100–150 cm | Flexible Raumnutzung, Schlaf- und Kinderzimmer gut umsetzbar |
| Über 150 cm | Komfortable Stehhöhe an der Wand, nahezu vollwertige Räume |
Welche Vollgeschoss-Regelung gilt in meinem Bundesland?
Die folgende Tabelle zeigt, ab wann ein Dachgeschoss (DG) nach der jeweiligen Landesbauordnung als Vollgeschoss gewertet wird. Konkret geht es darum, über wie viel Prozent der Grundfläche die Raumhöhe hoch genug (meist 2,30 m) ist. Wird der Schwellenwert nicht überschritten, gilt das DG als „halbes Geschoss" und somit das Haus als 1,5-geschossig.
Konkretes Beispiel für NRW (¾-Regelung): Das Erdgeschoss hat 100 qm Grundfläche. Das Dachgeschoss darüber hat auf 70 qm eine Raumhöhe von mindestens 2,30 m. Das sind 70 % – also weniger als ¾ (75 %). Damit zählt das DG nicht als Vollgeschoss, das ganze Haus hat 1,5 Geschosse.
| Schwellenwert | Bundesländer |
|---|---|
| ⅔-Regelung (mehr Spielraum für 1,5 Geschosse) | Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen |
| ¾-Regelung (strengerer Maßstab) | Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Schleswig-Holstein |
| Mischregelung | Rheinland-Pfalz (je nach Geschossart unterschiedliche Maßstäbe) |
| Sonderregelung | Brandenburg (keine einheitliche ⅔-/¾-Regel) |
Hinweis: Bei älteren Bebauungsplänen kann eine frühere Fassung der Landesbauordnung gelten. In NRW beispielsweise bestand bis 1995 die ⅔-Regelung, seit 1996 ist die ¾-Regelung bindend. Festgelegt wird dies durch das Datum des Bebauungsplan-Satzungsbeschlusses.
Je höher der Kniestock, desto eher kann das Dachgeschoss als Vollgeschoss gewertet werden. Wer gezielt 1,5 Geschosse plant, muss die Kniestockhöhe im Rahmen der örtlichen Bebauungsplanvorgaben halten – sonst wird eine Baugenehmigung unter Umständen nicht erteilt.
Welche Dachformen eignen sich für 1,5 Geschosse?
Von der jeweiligen Dachform hängt maßgeblich ab, wie viel Raum im Obergeschoss Ihres 1,5-Geschossers Sie nutzen können.
| Dachform | Dachneigung typisch | Wohnraumgewinn im DG | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Satteldach | 35–48° | Hoch | Klassiker für 1,5 Geschosse, viel Gestaltungsspielraum |
| Walmdach | 25–40° | Mittel bis hoch | Allseitig abgewalmtes Dach, weniger Giebelfläche |
| Pultdach | 15–30° | Mittel | Asymmetrisch, modern, eine hohe und eine niedrige Seite |
| Flachdach / Staffelgeschoss | 0–5° | Variabel | 1,5 Geschosse ohne Schrägen möglich, aber baurechtlich komplex |
Das Satteldach ist die mit Abstand häufigste Wahl beim 1,5-geschossigen Haus. Je steiler die Dachneigung, desto mehr nutzbare Fläche entsteht bei gleich hohem Kniestock im Dachgeschoss.
Ist ein 1,5-geschossiges Haus ohne Dachschrägen möglich?
Ja, grundsätzlich ist das realisierbar – allerdings eher als Sonderfall. Eine Möglichkeit ist ein Flachdach mit einem sogenannten Staffelgeschoss. Dabei wird das Obergeschoss gegenüber dem Erdgeschoss zurückgesetzt. Aber auch ein bündiges kubisches Obergeschoss mit kleinerer Fläche als das Untergeschoss wie hier im Bild kann dafür sorgen, dass es keine Dachschrägen gibt.
Vor allem kommet es darauf an, dass die Fläche oder Höhe des Obergeschosses die Schwelle zum Vollgeschoss nicht überschreitet. Das erfordert eine genaue Abstimmung mit der zuständigen Baubehörde und dem Bebauungsplan. In der Praxis ist die Variante mit Satteldach und Kniestock jedoch deutlich häufiger.

„Ein 1,5-geschossiges Haus ist für viele Baufamilien die ideale Lösung – es kombiniert annähernd den Platz eines Zweigeschossers mit der Genehmigungsfähigkeit eines Eingeschossers. Sprechen Sie den Kniestock und die Dachneigung früh mit Baupartner und Baubehörde ab, dann steht Ihrem neuen Zuhause nichts im Wege."
Finden Sie Baupartner von Satteldach bis Stadtvilla
Jetzt personalisierte Baubeispiele erhaltenWas kostet ein 1,5 geschossiges Haus?
Die Baukosten hängen von Größe, Ausstattung, Bauweise und Region ab. Als grobe Orientierung eignen sich folgende Richtwerte für schlüsselfertige Häuser mit 1,5 Geschossen:
| Wohnfläche | Preisspanne schlüsselfertig (ca.) | Typische Nutzung |
|---|---|---|
| 100–120 m² | 270.000 – 324.000 € | Kompakter Hausentwurf, für Paare & Kleinfamilien |
| 120–150 m² | 324.000 – 405.000 € | Klassisches Einfamilienhaus |
| 150–180 m² | 405.000 – 486.000 € | Großzügig geplanter Familienhaus-Grundriss |
| 180–220 m² | 486.000 – 594.000 € | Großes Haus mit viel Wohn- & Stauraum |
Hinweis: Ein Keller erhöht die Gesamtkosten um rund 1.000 Euro/qm (Nutzkeller) bzw. 2.000 Euro/qm (Wohnkeller). Alternativ lässt sich mit einer Bodenplatte an den Gesamtkosten sparen, Sie erhalten dafür aber vergleichsweise weniger Wohnraum.
Kostentreiber im Überblick:
- Keller vs. Bodenplatte
- Ausstattungslinie (Standard, Komfort, Premium)
- Wohnfläche (kompakt vs. großzügig)
- Grundriss (einfach/offen vs. komplex, z.B. Erker, Winkel, separate Zimmer)
- Regionale Baukosten und Grundstückspreise
- Dachform und Dachneigung (Einfaches Pultdach & Satteldach oder komplexes Walmdach)
- Energiestandard (z. B. KfW-Effizienzhaus 40)
Was ist günstiger: 1,5 Geschosse, Bungalow oder Zweigeschosser?
| Kriterium | Bungalow (1 Geschoss) | 1,5 geschossiges Haus | Zweigeschossiges Haus |
|---|---|---|---|
| Grundflächenbedarf | Hoch (gesamte Wohnfläche ebenerdig) | Mittel | Gering |
| Grundstücksfläche (relativ) | Groß | Mittel | Klein |
| Baukosten pro m² | Höher (großes Dach, große Bodenplatte) | Mittel | Tendenziell niedriger |
| Treppe nötig? | Nein (außer bei Unterkellerung) | Ja | Ja |
| Dachschrägen im OG? | Entfällt | Ja (außer bei Flachdach) | Nein (Vollgeschoss) |
| Barrierefreiheit | Einfach umsetzbar | Ohne Fahrstuhl nur im EG | Ohne Fahrstuhl nur im EG |
| Bebauungsplan-Konformität | Oft 1 VG erlaubt | Ideal bei 1 VG-Vorgabe | Erfordert 2 VG-Zulassung |

"Das 1,5-geschossige Haus ist häufig der wirtschaftlichste Kompromiss: Es benötigt weniger Grundfläche als ein Bungalow und erfüllt gleichzeitig Bebauungspläne, die kein zweites Vollgeschoss zulassen. Beachten Sie allerdings: Beim Bungalow entfallen fast alle Verkehrsflächen, sodass Sie mehr Wohnfläche erhalten oder kleiner und somit günstiger bauen können. Lässt allerdings beispielsweise die Bodenbeschaffenheit keinen Kellerbau zu oder ist nur ein relativ kleines Grundstück vorhanden, lohnt es sich eher, in die Höhe zu bauen. Letzten Endes kommt es also vor allem auf Bebauungsplan und persönliche Ansprüche sowie äußere Bedingungen an, welcher Haustyp am besten zu Ihnen und Ihrem Bauprojekt passt."
Welche Vorteile und Nachteile hat ein 1,5 geschossiges Haus?
Vorteile:
- Mehr Wohnfläche als ein Bungalow bei gleichgroßem Grundstück
- Erfüllt Bebauungsplanvorgaben mit nur einem Vollgeschoss
- Gemütliche Wohnatmosphäre durch Dachschrägen
- Gute Energieeffizienz durch kompaktes Gebäudevolumen
- Flexible Raumaufteilung: Schlafbereich oben, Wohnen unten
Nachteile:
- Eingeschränkte Stellfläche im Dachgeschoss durch Schrägen
- Treppe notwendig – eingeschränkte Barrierefreiheit, reduziert Wohnfläche
- Dachfenster oder Gauben oft erforderlich für ausreichend Licht
- Kniestockhöhe begrenzt Möblierungsmöglichkeiten
Wie plane ich ein 1,5-geschossiges Haus in 5 Schritten?
Schritt 1: Bebauungsplan prüfen Klären Sie, wie viele Vollgeschosse der Bebauungsplan auf Ihrem Grundstück erlaubt. Ist nur ein Vollgeschoss zulässig, ist die 1,5-Geschoss-Bauweise die richtige Wahl.
Schritt 2: Kniestockhöhe festlegen Stimmen Sie mit Ihrer Architektin oder Massiv- bzw. Fertighausanbieter die maximale Kniestockhöhe ab. Die örtliche Landesbauordnung gibt den Rahmen vor – in der Regel zwischen 80 und 160 cm.
Schritt 3: Dachform und Dachneigung wählen Je steiler das Dach, desto mehr nutzbare Fläche im Obergeschoss. Ein Satteldach mit 40–45° Dachneigung bietet den besten Kompromiss aus Wohnraumgewinn und Optik.
Schritt 4: Grundriss planen Legen Sie fest, welche Räume ins Dachgeschoss kommen. Schlafzimmer und Kinderzimmer lassen sich gut unter Schrägen unterbringen. Planen Sie Gauben oder große Dachflächenfenster für Licht und Belüftung ein.
Schritt 5: Anbieter vergleichen und Angebote einholen Lassen Sie sich Grundrisse und Preise von mehreren Fertighaus- oder Massivhausanbietern erstellen. Vergleichen Sie nicht nur Gesamtpreise, sondern auch Leistungsumfang und Energiestandards.
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Jetzt Bauprojekt startenWelche Grundrisse eignen sich für 1,5 Geschosse?
Ein typischer Grundriss teilt das 1,5 geschossige Haus in zwei Ebenen auf:
Erdgeschoss (Vollgeschoss):
- Offener Wohn-/Essbereich mit Küche
- Gäste-WC oder Duschbad
- Optional: Arbeits- oder Hauswirtschaftsraum
Dachgeschoss (halbes Geschoss):
- Elternschlafzimmer mit Ankleide
- 1–2 Kinderzimmer
- Badezimmer (ggf. mit Dachflächenfenster)
Die konkrete Aufteilung richtet sich nach Grundfläche, Kniestockhöhe und Familiengröße. Mit Gauben oder einem Zwerchgiebel lässt sich die nutzbare Fläche im Dachgeschoss spürbar vergrößern.
Zu wem passt ein 1,5 geschossiges Haus besonders?
- Familien: Schlaf- und Kinderzimmer im Dachgeschoss, Wohnbereich im Erdgeschoss – eine natürliche Trennung von Tag- und Nachtbereich.
- Bauleute mit Bebauungsplan-Einschränkung: Wenn nur ein Vollgeschoss zulässig ist, bietet der 1,5-Geschosser die maximale Wohnfläche.
- Kostenbewusste Baufamilien: Weniger Grundfläche als ein Bungalow spart Kosten für Bodenplatte, Grundstück und Dach.
- Liebhaber klassischer Architektur: Das Satteldach mit Dachschrägen gehört zu den beliebtesten Hausbildern in Deutschland.
Fazit: Checkliste für Ihr 1,5-geschossiges Haus
- Bebauungsplan prüfen: Wie viele Vollgeschosse sind erlaubt?
- Kniestockhöhe klären: Welche Vorgaben macht die Landesbauordnung?
- Dachform und Dachneigung festlegen: Satteldach ab 38° empfehlenswert
- Grundriss an Familienplanung anpassen: Schlafbereich oben, Wohnen unten
- Gauben oder Dachfenster einplanen: Für Licht und Raumhöhe im DG
- Keller vs. Bodenplatte entscheiden: Großer Einfluss auf die Gesamtkosten & Wohnfläche
- Energiestandard festlegen: KfW-Förderung prüfen und langfristig Heizkosten sparen
- Angebote vergleichen: Mindestens 3 Anbieter anfragen und Leistungsumfang prüfen



















































































